Die lange Lieferkette hinter dem Produktpass

Die lange Lieferkette hinter dem Produktpass

Die Pflichtangaben eines Produktpasses kennen oft Lieferanten weit hinten in der Kette. In Transpareo fragen Sie sie jetzt direkt, ohne Login und auf dem Handy.

Ein T-Shirt in einem deutschen Modegeschäft ist durch vier Betriebe gegangen, bevor es dort hängt. Genäht hat es ein Konfektionär in Gazipur, nördlich von Dhaka. Den Stoff hat eine Strickerei mit eigener Färberei geliefert, das Garn eine Spinnerei weiter im Landesinneren, die Baumwolle ein Händler.

Der Digitale Produktpass, den Kleidung in der EU voraussichtlich ab 2029 tragen muss, fragt nach jeder dieser Stationen: woher die Baumwolle stammt, welche Farbstoffe im Stoff stecken, in welchen Betrieben das Shirt entstanden ist. Ausstellen muss ihn die Modemarke, und die kennt von den vier Betrieben einen, den Konfektionär, dem sie den Auftrag gegeben hat.

Die Antworten liegen am Ende der Kette

In der Spinnerei steht kein Computer. Es gibt das Handy des Betriebsleiters. Nach der jüngsten Haushaltserhebung des Statistikamts von Bangladesch besitzen 72 Prozent der Haushalte ein Smartphone und 9 Prozent einen Computer. Die Frage nach der Herkunft der Baumwolle muss also auf dieses Handy, auf Bengalisch, ohne Konto, Passwort oder Schulung, und die Antwort muss durch drei Betriebe zurück, bevor sie im Pass der Marke steht.

Bei Batterien steht schon fest, was der Pass verlangt: Für die Akkus von E-Bikes und E-Scootern nennt der Leitfaden der EU-Kommission ab dem 18. Februar 2027 54 Pflichtangaben, und auch hier liegen die meisten davon weit hinten in der Kette, bei Zell- und Materialherstellern.

Liegen die Angaben vor, sind die Pässe in Transpareo in wenigen Minuten veröffentlicht: Sie importieren eine Tabelle, legen daraus die Pässe an und veröffentlichen sie. Die eigentliche Arbeit ist das Einsammeln der Angaben, und es lohnt sich, damit lange vor dem Stichtag zu beginnen. Genau für diese mühsame Arbeit haben wir die Anfragen an Lieferanten gebaut, und ab sofort fragen Sie Ihre Lieferanten direkt aus Transpareo heraus. Sie wählen die Felder, die ein Lieferant ausfüllen soll. Er öffnet einen Link auf seinem Handy, beantwortet, was er weiss, und gibt den Rest an seinen eigenen Lieferanten weiter. Jede Antwort wird auf jeder Stufe geprüft, bevor sie weitergeht, und bei Ihnen kommt sie in Ihrer Sprache an, mit dem Original daneben.

Dieser Beitrag zeigt Schritt für Schritt, wie das funktioniert und welche Entscheidungen dahinterstehen.

Eine Anfrage, ein Link

Für das T-Shirt tragen Sie Ihren Konfektionär als Lieferanten ein und kreuzen an, was Sie von ihm wissen möchten, etwa die Faserzusammensetzung, das Gewicht, die Herkunft der Baumwolle und die Produktionsstätten. Was dem Pass noch fehlt, ist bereits angekreuzt, und oft ist die Auswahl damit fertig. Dazu legen Sie fest, bis wann Sie die Antwort erwarten.

Der Konfektionär bekommt einen Link per Mail, von der Adresse Ihres Arbeitsbereichs. Vor Ablauf der Frist erinnert ihn Transpareo, und bleibt der Link ungeöffnet, erfahren Sie es. Der Link lässt sich auch in jeden Messenger kopieren oder am Telefon vorlesen, denn sein Code enthält keine Zeichen, die sich verwechseln lassen.

Was der Lieferant sieht

Der Konfektionär öffnet den Link auf seinem Handy und sieht eine Seite in Ihrem Logo und Ihren Farben. Darauf steht, wer fragt, um welches Produkt es geht, und darunter Ihre Fragen, nur diese. Ein Konto braucht er nicht, eine App ebenso wenig, und auch keine Schulung.

Jede Frage kommt in der Form, die zu ihr passt. Ein Land wählt er aus einer Liste, ein Gewicht trägt er mit seiner Einheit ein, ein Foto lädt er direkt vom Handy hoch. Klingelt mitten im Ausfüllen das Telefon oder bricht die Verbindung ab, ist nichts verloren.

Drei Schutzstufen

Ein Link wird schnell weitergeleitet und landet dabei auch einmal in falschen Händen. Darum ist er auf drei Ebenen geschützt.

Sie entscheiden, was eine Anfrage preisgibt und wie gut sie geschützt ist.

Die erste ist eine PIN. Der Lieferant wählt sie beim ersten Öffnen selbst, und die PIN steht in keiner Mail, auch Sie bekommen sie nicht zu sehen. Soll schon das erste Öffnen geschützt sein, lassen Sie Transpareo eine PIN erzeugen und geben sie auf einem zweiten Weg weiter, etwa am Telefon. Wer eine PIN raten will, hat nur wenige Versuche, dann sperrt sich der Link, und Sie erfahren davon. Vergisst ein Lieferant seine PIN, bekommt er eine neue, und an seiner Anfrage ändert sich sonst nichts.

Die zweite ist Datensparsamkeit. Vor der PIN zeigt die Seite nichts vom Produkt, danach nur, um welches Produkt es geht, und Ihre Fragen, in der Voreinstellung ohne die Werte, die Ihr Datensatz schon hat. Wer einen Link unterwegs abfängt, erfährt also nur, wonach Sie zu welchem Produkt fragen.

Die dritte ist ein eigener Zugang. Arbeiten Sie eng mit einem Lieferanten zusammen, laden Sie seine Mitarbeitenden in den Applikations-Manager ein. Dort melden sie sich mit eigenem Konto an und auf Wunsch mit einem zweiten Faktor, etwa einer Authenticator-App oder einem Sicherheitsschlüssel. Sie sehen genau die Produkte und Komponenten, die dieser Lieferant Ihnen liefert, und beantworten Ihre Anfragen ohne PIN. Was sie darüber hinaus dürfen, bestimmen Sie: Auf Wunsch pflegen sie diese Produkte selbst und fragen von dort aus ihre eigenen Lieferanten per Mail an, in Ihrem Namen.

Vorausfüllen oder leer lassen

Ob der Lieferant sieht, was Ihr Datensatz schon enthält, entscheidet ein einziger Schalter. In der Voreinstellung beginnen alle Felder leer, und er sieht nur Ihre Fragen. Das haben wir mit Absicht so gewählt: Was in Ihrem Datensatz steht, kann vertraulich sein, und es soll nur dann bei einem Lieferanten landen, wenn Sie es ausdrücklich wollen.

Sollen ihm Ihre bisherigen Angaben helfen, legen Sie den Schalter um. Steht die Faserzusammensetzung schon da, bestätigt er sie oder korrigiert einen Anteil und muss nichts neu eintippen.

Wenn der Lieferant selbst fragen muss

Der Konfektionär kennt Gewicht, Grössen und Nähte. Woher die Baumwolle stammt, weiss er nicht. Also fragt er seine Strickerei, direkt von seiner Seite aus: Er wählt die Fragen, die sie beantworten soll, und bekommt dafür einen eigenen Link mit eigener PIN. Den schickt er ihr, wie er es gewohnt ist, per Mail, Messenger oder Telefon. Einen Zugang zu seinem Postfach braucht Transpareo dafür nicht.

Die Strickerei fragt die Spinnerei, die Spinnerei ihren Baumwollhändler, und der Händler kann seinerseits weiterfragen. Eine Anfrage reicht so tief in die Lieferkette, wie es nötig ist. Ziehen Sie Ihre Anfrage zurück, schliessen sich alle Anfragen darunter im selben Moment.

Ihre Marke steht dort, wo Sie die Geschäftsbeziehung haben: Ihr direkter Lieferant sieht eine Seite in Ihrem Logo und Ihren Farben. Weiter unten fragt jeder Lieferant in seinem eigenen Namen, und wer weitergibt, entscheidet selbst, wie viel er von seinem Kunden zeigt. Ihr Name und Ihr Logo erscheinen dort nie. Auf Wunsch verbirgt er auch Marke und Produkt und schreibt in ein paar eigenen Worten dazu, was er braucht und wozu.

Uns liegen dabei die Geschäftsinteressen jedes Beteiligten am Herzen. Die Strickerei behält für sich, für wen sie arbeitet. Die Spinnerei bekommt ihre Frage von dem Kunden, dem sie ihr Garn verkauft, in dessen Worten und mit dessen Begründung, und keine Anfrage einer europäischen Modemarke, von der sie nie gehört hat. Was eine Firma offenlegt, entscheidet sie selbst, und gefragt wird im Gespräch zwischen Partnern, die ohnehin miteinander reden. Jede Anfrage bleibt eine Sache zwischen zwei Firmen, die sich kennen.

Jede Stufe prüft die Stufe darunter

Die Antwort der Spinnerei geht an den, der sie gefragt hat, die Strickerei. Die sieht jeden Wert, übernimmt ihn oder schickt ihn mit einer Anmerkung zurück. Was sie übernimmt, führt sie mit ihren eigenen Angaben zum Stoff und zur Färbung zusammen, berichtigt es bei Bedarf und schickt ihre ganze Antwort unter ihrem Namen weiter. So geht es Stufe für Stufe, bis die Antwort Ihres direkten Lieferanten bei Ihnen eintrifft.

Jeder prüft nur, was von Firmen kommt, die er selbst gefragt hat.

So steht jede Stufe mit ihrem Namen für das ein, was sie weiterreicht, und bei Ihnen kommt eine einzige, zusammenhängende Antwort an.

Für die Stufen dazwischen bedeutet das etwas mehr Arbeit. Wir halten die Regel trotzdem für richtig, weil sie abbildet, wie Lieferbeziehungen funktionieren: Jeder steht für die Firmen ein, mit denen er selbst Verträge hat.

Ihre Entscheidung, Feld für Feld

Jede Antwort kommt als Vorschlag zu allen, die das Produkt bearbeiten dürfen, und Sie gehen ihn Feld für Feld durch. Jeden Wert übernehmen Sie, wie er kam, berichtigen ihn mit eigenen Worten, wobei die Fassung des Lieferanten erhalten bleibt, oder schicken ihn mit einer kurzen Begründung zurück. Der Lieferant findet Ihre Anmerkung beim nächsten Öffnen direkt neben dem Feld und beantwortet nur noch, was offen ist.

Eine Antwort ändert an Ihrem Datensatz von sich aus nichts.

Ist alles entschieden, wird daraus eine neue Version Ihres Datensatzes, mit dem Namen des Lieferanten und Ihrem. Auch Jahre später lässt sich nachlesen, welcher Wert von wem kam, denn jede Änderung an einem Produkt landet in seinem Verlauf. Jeden früheren Stand stellen Sie dort wieder her, als neuen Eintrag, sodass der Verlauf vollständig bleibt. Fotos erscheinen erst am Produkt, wenn Sie sie übernommen haben.

Hat jemand den Datensatz geändert, während der Lieferant noch tippte, zeigt Transpareo Ihnen diese Felder zuerst, mit dem Wert von damals, dem aktuellen und dem vorgeschlagenen. Kein Vorschlag überschreibt still, was jemand anderes inzwischen eingetragen hat.

Jeder in seiner Sprache

Der Betriebsleiter der Spinnerei öffnet den Link, und die Seite spricht Bengalisch, weil sein Handy Bengalisch spricht. Er antwortet auf Bengalisch. Ihr Einkauf in Deutschland liest die Antwort auf Deutsch, und wer den veröffentlichten Pass in Frankreich öffnet, liest ihn auf Französisch. Niemand in dieser Kette muss in einer fremden Sprache arbeiten.

Sobald eine Antwort eingeht, übersetzt Transpareo ihre Texte in die Sprachen Ihres Arbeitsbereichs. Zur Wahl stehen 40, darunter alle 24 Amtssprachen der EU und Bengalisch, Hindi, Vietnamesisch, Türkisch und Indonesisch aus den grossen Textilländern. Codes, Zahlen, Daten und Länder bleiben, wie sie sind, denn sie zu übersetzen wäre falsch. Wie die Übersetzung mit Fachbegriffen umgeht, haben wir eigens beschrieben.

Wer prüft, auf welcher Stufe auch immer, liest den Text des Lieferanten und darunter die Fassung in der eigenen Sprache. Das Original bleibt neben jeder Übersetzung gespeichert. Bei einer Pflichtangabe kommt es darauf an: Die Übersetzung ist eine Hilfe für den Leser, angegeben hat der Lieferant das Original.

Was die Anfrage voraussetzt

Eine Anfrage regelt, wie die Daten zu Ihnen kommen. Dass ein Lieferant sie herausgibt, regelt weiterhin Ihr Liefervertrag. Für die Textilindustrie haben wir geraten, den Konfektionär vertraglich zu verpflichten, die Daten von Weberei und Spinnerei weiterzugeben. Die Anfrage ist das Werkzeug, mit dem er das tut, geprüft und mit Namen auf jeder Stufe.

Lieferanten mit eigener Unternehmenssoftware binden Sie weiterhin direkt an. Die Anfrage ist für alle anderen gebaut.

Was am Ende im Pass steht

Für das T-Shirt heisst das: Die Herkunft der Baumwolle steht im Pass, eingetragen von dem, der sie kennt, in seiner Sprache, geprüft auf jeder Stufe bis zu Ihnen. Sie haben dafür eine Anfrage gesendet und eine Antwort geprüft.

Fragen zu diesem Beitrag

Braucht der Lieferant ein Konto oder eine App?

Nein. Er braucht den Link und einen Browser, auf dem Handy oder am Computer. Beim ersten Öffnen wählt er eine PIN, und von da an fragt jedes Öffnen danach.

Wer kennt die PIN?

Eine PIN, die der Lieferant selbst wählt, kennt nur er; auch Ihnen wird sie nicht angezeigt. Lassen Sie die PIN stattdessen von Transpareo erzeugen, sehen Sie sie in der Anfrage und geben sie auf einem zweiten Weg weiter. In der Mail mit dem Link steht nie eine PIN.

Wie viele Stufen tief reicht eine Anfrage?

So tief, wie Ihre Lieferkette reicht. Jeder Lieferant kann weitergeben, wonach er gefragt wurde, und dessen Lieferant ebenso, ohne Begrenzung der Stufen. Ziehen Sie Ihre Anfrage zurück, schliessen sich alle Anfragen darunter im selben Moment.

Was geschieht, wenn ein Lieferant nicht antwortet?

Vor Ablauf der Frist erinnert Transpareo ihn zweimal per Mail. Ist für ihn keine Adresse hinterlegt, bekommen Sie die Erinnerung, um sie weiterzugeben. Reicht die Zeit nicht, verlängern Sie die Frist.

Kann ein Lieferant auch Fotos schicken?

Ja, direkt vom Handy. Die Bilder bleiben unter Verschluss, bis Sie die Antwort prüfen, und erscheinen erst am Produkt, wenn Sie sie übernehmen. Abgelehnte Bilder werden gelöscht.

Neues aus der Lieferkette, sobald es da ist

Wir schreiben, was wir bauen und warum, in verständlicher Sprache und ohne Marketinglärm.