Ein Pass, drei Wörterbücher

Ein Pass, drei Wörterbücher

Ein Produktpass erfindet keine neue Sprache. Er benutzt drei bestehende Wörterbücher, damit jeder Leser jedes Feld versteht, heute und in zehn Jahren.

Nehmen Sie das Feld «Kapazität» einer Batterie. Ihr Spediteur nennt es in seinen Papieren anders als der Recycler, und die Behörde hat in ihrem Formular einen dritten Namen dafür. Alle drei meinen dasselbe, und alle drei müssen sicher sein, dass sie dasselbe meinen. Im Jahr 2034 liest ein Prüfer Ihren Pass von 2026 und muss ohne Rückfrage wissen, was Ihr Wert damals bedeutete.

Das ist die ganze Aufgabe hinter der Frage, welche Begriffe ein Digitaler Produktpass trägt. Sie klingt nach Detailarbeit, entscheidet aber darüber, ob Ihre Daten in zehn Jahren noch von irgendjemandem gelesen werden können.

Dieser Artikel erklärt, welche drei Wörterbücher ein Pass benutzt, warum jeder Begriff eine feste Adresse braucht und warum Sie davon im Alltag nichts merken.

Der Pass erfindet keine neue Sprache

Ein Produktpass führt drei bestehende Wörterbücher zusammen. Jedes beschreibt einen Teil der Produktwelt, und keines reicht allein.

Das erste beschreibt, was mit dem Produkt geschah: versandt, repariert, zurückgerufen, recycelt. Es stammt von GS1 und heisst EPCIS, derselbe Standard, mit dem die Logistik seit Jahren Lieferketten festhält. Jeder Schritt bekommt darin einen Namen und einen Zustand, und aus den Schritten entsteht ein Protokoll, das jede Maschine lesen kann: wann eine Charge versandt, wann sie zurückgerufen, wann sie recycelt wurde.

Das zweite beschreibt, was das Produkt ist: Material, Rezyklatanteil, CO2-Fussabdruck, Reparierbarkeit. Es heisst OpenEPCIS DPP Core und ist unter ref.openepcis.io offen veröffentlicht.

Das dritte beschreibt, was Ihre Verordnung verlangt. Jede Produktgruppe bringt ihr eigenes Fachvokabular mit:

  • Batterien (Verordnung 2023/1542): über 200 Eigenschaften, von der Zellchemie über Rezyklatanteile für Lithium, Kobalt und Nickel bis zu Ladezyklen und dem Zustand der Batterie
  • Textilien: Faserzusammensetzung, Färbemittel, Mikroplastik-Risikoklasse, Waschsymbole, Recyclingfähigkeit
  • Elektronik: Reparaturindex, Bauteiltypen, Austauschbarkeit einzelner Komponenten
  • dazu eigene Wörterbücher für Entwaldung, Reinigungsmittel, Verpackungen und Bauprodukte

Ein Pass wechselt also je nach Produktgruppe sein Fachvokabular und bleibt trotzdem auf demselben Grundgerüst. Welche Verordnung und welche Pflichtdaten das je Branche sind, steht im Branchen-Nachschlagewerk.

Jeder Begriff hat eine feste Adresse

Damit aus drei Wörterbüchern kein Durcheinander wird, führt der Pass ein Verzeichnis mit, das jeden Begriff auf seine Definition verweist. Jeder Begriff hat darin genau eine Heimat: eine Adresse im Netz, unter der jeder nachschlagen kann, was er bedeutet.

Das ist mehr als Ordnungsliebe. Ein Pass muss zehn Jahre und länger prüfbar bleiben. Wenn eine Behörde 2034 einen 2026 ausgestellten Pass liest, muss der Rezyklatanteil noch exakt dasselbe bedeuten wie heute. Das hält nur, wenn die Adresse Jahre später noch auf dieselbe Definition zeigt, für die Plattform, das Archiv, den Prüfer und die Behörde gleichermassen.

Warum eigene Feldnamen eine Insel sind

Wer stattdessen eigene Feldnamen erfindet, baut eine Insel. Die Behörde, der Recycler und das Prüfwerkzeug eines Dritten müssen ohne Rückfrage verstehen, was in Ihrem Pass steht. Das funktioniert nur, wenn die Begriffe aus Wörterbüchern stammen, die diese Leser ohnehin kennen.

Eigene Namen machen ausserdem einen Anbieterwechsel teuer, weil die Bedeutung dann im alten System steckt statt in den Daten. Genau deshalb hält Transpareo sich strikt an die drei Wörterbücher, statt ein eigenes zu erfinden.

Zwei Regeln, die Fehler vermeiden

Anteilswerte sind immer Dezimalzahlen zwischen 0 und 1, also 0.85 statt 85 Prozent. Diese eine Regel beseitigt eine ganze Klasse von Importfehlern.

Und jede Angabe trägt eine Zugriffsstufe: öffentlich, für Berechtigte oder eingeschränkt. So liefert derselbe Pass unterschiedliche Sichten an Endkunden, Partner und Behörden.

40 Sprachen in einem Feld

Ein Textfeld trägt seine Sprachvarianten in einer kompakten Form, {"de": "Wasser", "en": "Water"}, statt pro Sprache wiederholt zu werden. Das hält die Datenmenge klein, und ein Leser bekommt den Pass in seiner Browsersprache und fällt auf Englisch zurück, wo eine Sprache fehlt. 40 Sprachen, darunter alle 24 EU-Amtssprachen, sind so ohne Sonderlogik abgedeckt.

Was Sie davon merken

Nichts, und das ist Absicht. Sie pflegen Produkte, Komponenten und Materialien in Ihren Worten, über die Oberfläche, per Import oder über die API. Die Plattform spricht darunter die drei Wörterbücher und setzt für jede Produktgruppe das passende Fachvokabular ein, ohne dass Sie das Datenmodell umbauen.

Welche Wörterbücher eine Plattform spricht, zählt bei der Auswahl, nicht im Tagesgeschäft danach. Drei Fragen genügen: Benutzt sie die etablierten Wörterbücher oder ein eigenes, das nur sie versteht? Kann sie pro Produktgruppe das passende Fachvokabular einsetzen? Und steht jeder Begriff unter einer Adresse, die auch in zehn Jahren noch gilt?

Dreimal Ja, und Ihr Pass bleibt lesbar: heute, über einen Anbieterwechsel hinweg und über die gesetzliche Aufbewahrungsfrist hinaus.

Fragen zu diesem Beitrag

Müssen wir diese Wörterbücher kennen, um einen Pass zu veröffentlichen?

Nein. Die Wörterbücher bestimmen, wie die Felder in den veröffentlichten Daten heissen, nicht was Sie eingeben. Sie pflegen Produkte, Komponenten und Materialien über die Oberfläche, per Import oder über die API, und der Pass trägt die Standardbegriffe darunter. Welche Wörterbücher eine Plattform spricht, zählt bei der Auswahl, nicht im Tagesgeschäft danach.

Welches Wörterbuch deckt welchen Teil des Passes ab?

Es sind drei. Was mit dem Produkt geschah, folgt GS1 EPCIS 2.0, demselben Standard, der seit Jahren Lieferketten in der Logistik abbildet, mit einem Geschäftsschritt und einem Zustand je Ereignis. Was das Produkt ist, also Materialzusammensetzung, Rezyklatanteil, CO2-Fussabdruck und Reparierbarkeit, folgt dem OpenEPCIS DPP Core. Darüber liegt das Fachvokabular, das die jeweilige EU-Verordnung verlangt. Ein Produktname kommt weiterhin aus schema.org, dem Wörterbuch, das Suchmaschinen lesen.

Was spricht gegen eigene Feldnamen?

Sie bauen damit eine Insel. Eine Behörde, ein Recycler oder das Prüfwerkzeug eines Dritten muss ohne Rückfrage verstehen, was in Ihrem Pass steht, und das funktioniert nur, wenn die Begriffe aus Wörterbüchern stammen, die diese Leser ohnehin kennen. Eigene Namen machen ausserdem einen Anbieterwechsel teuer, weil die Bedeutung dann im alten System steckt statt in den Daten.

Wechselt das Vokabular je Produktgruppe?

Ja, und die Plattform muss das tragen, ohne dass Sie das Datenmodell umbauen. Batterien allein bringen über 200 Eigenschaften mit, von der Zellchemie über Rezyklatanteile für Lithium, Kobalt und Nickel bis zu Ladezyklen und dem Zustand der Batterie. Textilien verlangen Faserzusammensetzung, Färbemittel, Mikroplastik-Risikoklasse, Waschsymbole und Recyclingfähigkeit, Elektronik einen Reparaturindex, Bauteiltypen und Austauschbarkeit. Entwaldung, Reinigungsmittel, Verpackungen und Bauprodukte bringen jeweils ihr eigenes mit.

Warum sind feste Adressen so wichtig?

Weil ein Pass zehn Jahre und länger prüfbar bleiben muss. Wenn eine Behörde 2034 einen 2026 ausgestellten Pass liest, muss der Rezyklatanteil noch exakt dasselbe bedeuten wie heute, und das hält nur, wenn die Definition unter einer Adresse liegt, die Jahre später auf dasselbe zeigt. Feste Adressen sind die Voraussetzung dafür, dass Plattform, Archiv, Prüfer und Behörde alle auf eine Definition zeigen.

Wie werden Anteile und Einheiten geschrieben?

Anteilswerte sind immer Dezimalzahlen zwischen 0 und 1, also 0.85 statt 85 Prozent. Diese eine Regel beseitigt eine ganze Klasse von Importfehlern. Jede Angabe trägt ausserdem eine Zugriffsstufe, öffentlich, für Berechtigte oder eingeschränkt, und genau so liefert derselbe Pass unterschiedliche Sichten an Endkunden, Partner und Behörden.

Müssen wir den Pass selbst übersetzen?

Nein. Ein Textfeld trägt seine Sprachvarianten in einer kompakten Form, statt pro Sprache wiederholt zu werden, damit sind 40 Sprachen einschliesslich aller 24 EU-Amtssprachen ohne Sonderlogik abgedeckt. Ein Leser bekommt den Pass in seiner Browsersprache und fällt auf Englisch zurück, wo eine Sprache fehlt. Wie diese Übersetzung entsteht, steht in 40 Sprachen automatisch.

Sind diese Normen überhaupt verpflichtend?

Die harmonisierten europäischen DPP-Normen sind keine Pflicht. Wer sie erfüllt, gilt als regelkonform und muss es nicht selbst beweisen. Sechs von ihnen wurden am 15. Juli 2026 durch den Durchführungsbeschluss (EU) 2026/1736 im Amtsblatt der EU zitiert. Sie dürfen die Anforderungen auch anders erfüllen, tragen dann aber selbst die Beweislast. Mehr dazu in Norm für Norm.

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